Wenn der Damm bricht - Wasserwacht zeigt neue Strategien für den Hochwasserschutz und schließt kritische Einsatzlücke
Geschrieben am 05. März 2026.
Extremwetterereignisse und Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht: Zwischen administrativer Lagebewertung und operativer Gefahrenabwehr bestehen im Ernstfall häufig Schnittstellenprobleme. Um diese Lücke zu schließen, etabliert die Wasserwacht des DRK den "Fachberater Hochwasserschutz" als neues Qualifikationsmodul innerhalb der Wasserrettung.

Foto: Matthias Balk / Wasserwacht
Der erste Pilotlehrgang startete am vergangenen Sonntag, den 1. März 2026, und wird von Johann Penn und Andreas Geuther, beide von der Wasserwacht Bayern, geleitet. 25 Teilnehmende aus ganz Deutschland werden bis Freitag ausgebildet und sind dann Deutschlands erste Fachberater Hochwasserschutz. Den vorläufigen Höhepunkt des Lehrgangs bildete gestern Abend die Simulation eines Dammbruchs sowie weiterer Strömungen und Fluten im Wasserbaulabor an der Universität der Bundeswehr in München. Der Lehrgang endet am Freitag, den 06.03.2026, mit einer Praxisausbildung zur Deichverteidigung.
„Wenn hier im Wasserbaulabor ein Damm bricht, dann sehen wir in wenigen Sekunden, was draußen im Ernstfall ganze Regionen trifft: enorme Wassermassen, unglaubliche Kräfte, eine Dynamik, die man oft nicht aufhalten, sondern nur verstehen und richtig einschätzen kann. Genau darum geht es uns mit dem neuen Fachberater Hochwasserschutz. Wir haben in den vergangenen Jahren erlebt – im Ahrtal, in Bayern, an vielen anderen Orten –, wie schnell aus Starkregen eine Katastrophe wird. In solchen Lagen braucht es neben starken Einsatzkräften vor allem fundierte Lagebewertung“, erklärt Thomas Huber, Landesvorsitzender der Wasserwacht Bayern, im Rahmen des Lehrgangs.
„Durch ihr hydrologisches und wasserbauliches Fachwissen unterstützen unsere Fachberater die Krisenstäbe dabei, Maßnahmen der Wasserrettung fundiert und lagegerecht anzupassen. Sie führen nicht operativ, aber sie schaffen die Grundlage für bessere Entscheidungen, bei denen der Schutz und die Sicherheit der Einsatzkräfte noch mehr im Mittelpunkt steht. Diese Simulation und auch die vergangenen Jahre machen deutlich: Hochwasser ist kein theoretisches Szenario. Es ist real – und wir bereiten uns gezielt darauf vor, um Menschen bestmöglich zu schützen", so Lehrgangsleiter Johann Penn.
Die Lehrinhalte umfassen unter anderem:
- Strategie Hochwasserschutz
- Urbane Sturzfluten
- Grundlagen der Hochwasserentstehung, des Deich- und Dammbaus und der Statik im Hochwasserfall
Der Lehrgang qualifiziert Teilnehmende zur Tätigkeit als Fachberater Hochwasserschutz der DRK-Wasserwacht. Diese Fachberater unterstützen DRK-Gliederungen und Behörden auf Anforderung bei der Vorbereitung, Bewertung und Bewältigung von Hochwasserlagen. Sie wirken beratend und ergänzen bestehende Führungsstrukturen durch fundiertes Fachwissen, unter anderem in den Bereichen Hydrologie, Wasserbau und Lagebewertung, ohne selbst operativ tätig zu werden.